Erlernte Hilflosigkeit

„Learned-Helplessness„-Experiment bei Hunden.

Den Versuchsaufbau bezeichnet man auch als triadisches Design, da die Versuchstiere in drei Gruppen eingeteilt werden.
Das Learned-Helplessness-Experiment läuft in zwei Phasen ab.

Phase 1:
Während dieser Phase wird

a) eine Gruppe von Hunden kurzen elektrischen Schocks ausgesetzt, welche sie durch eine bestimmte Reaktion verhindern können.
Diese Reaktion ist in der Regel die Betätigung eines kleinen Hebels oder das Drehen eines Rades.
Mit der Zeit lernen die Hunde, sofort nach Einsatz des Schocks die terminierende Reaktion zu zeigen – sie demonstrieren also Fluchtverhalten.

b) eine zweite Gruppe von Hunden befindet sich in einer sogenannten Yoked-Bedingung.
Sie befinden sich zur gleichen Zeit wie die erste Gruppe in einer ähnlichen Umgebung und werden ebenfalls den Schocks ausgesetzt.
Jedoch kann diese Gruppe nichts gegen die aversiven Reize unternehmen – ihr Verhalten hat keinerlei Einfluss auf die Schocks.
Yoked bedeutet, dass diese Gruppe an die erste Gruppe „angebunden“ ist: Sie erhalten jedes Mal, wenn die erste Gruppe geschockt wird, ebenfalls einen Schock.
Somit wird sichergestellt, dass beide Gruppen die gleiche Anzahl von Schocks erfahren.

c) eine dritte Gruppe von Hunden wird als Kontrollgruppe eingesetzt.
Während der ersten Phase befindet sie sich in einem ähnlichen Apparat wie die beiden anderen Gruppen, sie erfährt jedoch keinerlei Schocks.

Phase 2:

Während dieser Phase werden alle drei Gruppen in einer Shuttle-Box trainiert.
Eine Shuttle-Box besteht aus zwei identischen Boxen (compartments), die über einen Durchgang miteinander verbunden sind.
Das Versuchstier wird in eine der beiden Boxen gesetzt und einem Schock ausgesetzt.
Es kann diesem Schock nun einfach entgehen, indem es in die andere Box wechselt.

Bei One-Way-Shuttle-Experimenten wird das Tier in jedem Durchgang in eine bestimmte Box gesetzt.
Bei Two-Way-Shuttle-Experimenten wechselt das Tier stets von einer in die andere Box und die Schocks werden auf abwechselnden Seiten verabreicht.
Im Learned-Helplessness-Design werden alle drei Versuchsgruppen dem Two-Way-Shuttle-Training unterzogen.

Ergebnis:

Die erste Gruppe, welche in Phase 1 den Schock mit ihrem Verhalten beenden konnte, lernt sehr schnell, dem Schock im Shuttle-Box-Training zu entgehen.
Mit der Zeit lernen die Tiere nicht nur, den Schock durch einen Wechsel in die andere Box zu terminieren, sondern diesen durch einen vorzeitigen Wechsel gänzlich zu vermeiden (Vermeidungslernen).

Auch die Kontrollgruppe, die die erste Phase ohne Schocks erfuhr, demonstriert Vermeidungslernen und unterscheidet sich darin nur in der langsameren Lerngeschwindigkeit von der ersten Gruppe.

Die zweite Gruppe jedoch, welche in Phase 1 Schocks unabhängig von ihrem Verhalten erfahren hatte, lernt (wenn überhaupt und nur selten) sehr vorsichtiges und sehr langsames Flucht-Vermeidungsverhalten.
Die Hunde bleiben oft lethargisch in einer Box liegen und lassen die Schocks über sich ergehen.

 Learned-Helplessness  = Erlernte Hilflosigkeit – die Lethargie, die diese Hunde letztlich zeigen wird als Geduld fehlinterpretiert!

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